Wie viel KI verträgt die Kirche?

Shownotes

Wie kann Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll eingesetzt werden? Welche Rolle spielen Werte, Ethik und menschliche Verantwortung dabei? Am Beispiel der KI-Plattform ELOKI zeigen die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und die Evangelische Kirche im Rheinland, wie eine sichere, datenschutzkonforme und werteorientierte KI-Lösung aussehen kann. Gemeinsam mit Dr. Jens Palkowitsch-Kühl diskutieren wir in dieser Folge von "Ermutigende Blickwinkel", was KI leisten kann – und was bewusst menschlich bleiben sollte.

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00:00:08: Ermutigende Blickwinkel, der Podcast zur nachhaltigen Transformation.

00:00:13: Systeme wie ELOKI liefern Entwürfe, Vorschläge, Zusammenfassungen, aber keine Entscheidungen.

00:00:20: KI kann Fehler machen und KI sollte auch in diesem Umfeld keine Entscheidungsmaschine sein.

00:00:25: Die Verantwortung bleibt dann immer beim Menschen.

00:00:31: Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts.

00:00:35: Heute sprechen wir über ein Thema, das unsere Gesellschaft gerade stärker verändert als jede Technologie der letzten Jahrzehnte: Künstliche Intelligenz.

00:00:44: Sie entwickelt sich in Deutschland zunehmend von einer Zukunftstechnologie zu einem praktischen Werkzeug für Alltag und Arbeitswelt.

00:00:51: Gleichzeitig fühlen sich laut Digital Index 2024/2025 Nur 63% der Menschen in Deutschland gut auf den digitalen Wandel vorbereitet und verfügen über wichtige Resilienzfaktoren.

00:01:06: Hinzu kommen Diskussionen über Transparenz, Sicherheit und die Verantwortung für Inhalte, die KI-Systeme erzeugen.

00:01:13: Und genau hier setzt unser heutiges Thema an.

00:01:16: Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und die Evangelische Kirche im Rheinland haben mit ELOKI einen sicheren, kircheneigenen KI-Dienst geschaffen, speziell für kirchliche Bedürfnisse, datenschutzkonform und werteorientiert.

00:01:32: Was konkret dahinter steckt, darüber sprechen wir heute mit unserem Gast Dr.

00:01:36: Jens Palkowicz-Kühl von der Arbeitsstelle Digitalisierung der ELKB und Lehrbeauftragter an der Evangelischen Hochschule Hessen.

00:01:44: Herr Dr.

00:01:44: Palkowicz-Kühl, schön, dass Sie da sind.

00:01:47: Einen wunderschönen guten Morgen.

00:01:49: Starten wir doch mal mit der offensichtlichsten Frage: Kirche und KI, wie passt das denn zusammen?

00:01:55: Wir in der Bayerischen Landeskirche entwickeln gerade in der Arbeitsstelle verschiedene Möglichkeiten, wie Digitalisierung und digitale Formate im kirchlichen Alltag Einzug erhalten, was das für Gesellschaft, was das für die Veränderung von Kirche bedeutet.

00:02:10: Und als einer dieser Veränderungsprozesse sehen wir natürlich auch künstliche Intelligenz.

00:02:15: Und daher haben wir beschlossen, dass wir uns mit diesem Thema verstärkt auseinandersetzen möchten.

00:02:21: Haben beispielsweise eine KI-Strategie geschrieben und praktisch als ein Beispiel dieser KI-Strategie ein exemplarisches Anwendungsfeld, dieses ELOKI, ins Leben gerufen.

00:02:34: Perfekt.

00:02:35: Vielen Dank schon mal für die Zusammenfassung und für die kleinen Einblicke.

00:02:38: Wir werden natürlich gleich tiefer in das ganze Thema reingehen und zum Aufwärmen und Kennenlernen Hier ein paar Entweder-oder-Fragen.

00:02:46: Sind Sie bereit, Herr Dr.

00:02:48: Balković-Kühn?

00:02:48: Auf jeden Fall.

00:02:50: Starten wir mit Schnell Ehrlich.

00:02:57: Schnell Ehrlich.

00:02:59: Natur- oder Stadtleben?

00:03:02: Stadtleben.

00:03:04: Warum so eindeutig?

00:03:05: Weil das pulsierend ist, weil ich menschengemachte, spannende Eindrücke bekomme, weil ich den Spiegel der Gesellschaft sehe.

00:03:12: Es ist nicht so leise, es ist laut und interessant.

00:03:15: Schön, dass Sie sich da so wohlfühlen.

00:03:17: Webinar oder Fachbuch?

00:03:19: Webinar.

00:03:20: Interessant.

00:03:20: Auch da wegen der Interaktion?

00:03:22: Wegen der Interaktion, multimediale Inhalte und lesen kann ich ja auch noch nebenbei.

00:03:27: Wunderbar.

00:03:29: Digitalisierung in der Kirche: Mutig voran oder lieber Schritt für Schritt?

00:03:34: Was meinen Sie?

00:03:36: Mutig voran.

00:03:37: Und zwar, weil ich mir denke, Kirche wäre nicht Kirche und wir würden heute als Kirche nicht dort stehen, wenn wir nicht ab und zu mutig vorangegangen wären.

00:03:46: Und da denke ich mir, gerade bei dem Thema Digitalisierung können wir doch auch das ein oder andere gemeinsam wagen.

00:03:53: Und wenn es ein Fehltritt ist, dann lernen wir einfach draus, weil wir eine lernende Kirche sind.

00:03:59: Vielen Dank schon mal für Ihre Offenheit und dann lassen Sie uns jetzt direkt einsteigen und erst einmal verstehen, worüber wir heute eigentlich sprechen.

00:04:10: Denn ELUKI ist für viele ja noch neu und gleichzeitig ein spannendes Beispiel dafür, wie Kirche Digitalisierung aktiv gestalten kann.

00:04:18: Also, was ist ELOKI?

00:04:21: ELOKI ist erst mal ein Akronym und es steht für Evangelisch Lernend Offen KI.

00:04:28: Und das haben wir nicht zufällig gewählt, sondern jedes Wort wollen wir so ein bisschen als Programm darstellen.

00:04:34: Es ist eine gemeinsame KI-Plattform aktuell von zwei Landeskirchen, der Bayerischen Landeskirche als auch der Evangelischen Kirche im Rheinland, unterstützt durch die Evangelische Kirche Deutschland.

00:04:45: Und wie funktioniert ELOKI ganz konkret?

00:04:48: Man loggt sich ein und auf der Oberfläche erinnert das erst mal an kommerzielle Dienste wie ChatGPT.

00:04:54: Man tippt dann eine Frage ein oder eine Aufgabe, bekommt dann eine Antwort und dahinter steckt dann aber vielleicht doch was grundlegend anderes als in den anderen Systemen.

00:05:05: Ja, Sie haben jetzt gerade schon von ChatGPT gesprochen.

00:05:07: Was unterscheidet denn ELOKI technisch und organisatorisch von diesen kommerziellen Lösungen?

00:05:12: Ich würde mal sagen, ein Hauptargument oder ein Hauptaugenmerk ist, dass die Daten nicht über US-amerikanische Server laufen, sondern über europäische Infrastruktur.

00:05:24: Technisch auch umgesetzt mit europäischen Cloud-Anbietern.

00:05:28: Und es ist auch keine Einwegplattform.

00:05:31: Wir wollen Mitarbeitende dazu motivieren, eigene Wissensdatenbanken anzulegen, perspektivisch auch eigene Tools zu ergänzen.

00:05:38: Und das System praktisch mit den Nutzenden gemeinsam zu erweitern, mit der Perspektive: Wie kann künstliche Intelligenz in Kirche eingesetzt werden?

00:05:50: Das klingt ja spannend, was Sie sagen, dass die Mitarbeitenden ins Boot geholt werden.

00:05:54: Können Sie da praxisnahe Beispiele geben, also wie ELOKI Mitarbeitende heute schon unterstützt und entlastet?

00:06:00: Wir haben gerade eine Pilotphase mit 100 Testnutzerinnen und Testnutzern, und für die Anmeldung wurde immer angegeben, was so das Szenario ist, in dem gerne moderne E-Luki eingesetzt werden würde.

00:06:13: Und aus diesen Szenarien kann ich 2, 3 Mal vorstellen, was gerade im Piloten ausprobiert wird.

00:06:18: Also das eine ist beispielsweise eine Gemeindesekretärin oder ein Gemeindesekretär, der Spendenbriefe vielleicht entwirft, der Kirchgeldbriefe verfasst, Einladungen formuliert, aus Protokollen einer Kirchenvorstandssitzung bestimmte Zahlen heraus extrahieren lässt und dann in einer Tabelle darstellen lässt, vielleicht auch das Beschlussbuch vervollständigt.

00:06:38: In der Bildungsarbeit beispielsweise zeigt sich das in Form von Workshop-Ausschreibungen, aber auch, dass ein Jahresprogramm irgendwie strukturiert wird, bis dahin, dass wir auch IT-Enthusiasten haben, die vielleicht so eine Art Python-Skript mal schreiben, um eine Datenauswertung zu starten, und das ganz ohne Programmierkenntnisse.

00:06:56: Das ist ja das Tolle an künstlicher Intelligenz, dass ich mit menschlicher Sprache das in Maschinensprache umwandeln kann.

00:07:03: Ja, Sie haben ja gerade davon gesprochen, dass das Ganze als Pilot funktioniert.

00:07:07: Gibt es denn bereits erste Rückmeldungen oder Aha-Erlebnisse Gemeindenverwaltung oder Bildungseinrichtungen dazu?

00:07:13: Naja, man vergleicht das natürlich mit kommerziellen Diensten und wir werden wahrscheinlich nie auf demselben Stand sein, was jetzt gerade Entropic, Google und so weiter an neuen Funktionen herausbringen.

00:07:26: Aber das, wofür wir gesagt haben, diese Anwendungsszenarien, die ich jetzt auch aufgezählt habe, da bekommen wir durchweg positive Rückmeldungen.

00:07:33: Also es funktioniert ganz gut, etwas aus Protokollen herauszuziehen und Man braucht auch keine Angst zu haben, dass die Protokolle irgendwie außerhalb der Kirchenblase dann genutzt werden, sondern es ist auch für die Mitarbeitenden toll, dass es ein sicheres System ist und dass sie darauf vertrauen können, dass nichts anderes mit den Daten dort passiert.

00:07:54: Also das ist zum Beispiel eine positive Rückmeldung.

00:07:57: Ja, vielen Dank, Herr Dr.

00:07:59: Palković-Kühn, bereits für die erste Übersicht.

00:08:02: Lassen Sie uns doch mal über Werte, Verantwortung und Haltung sprechen, denn die Kirche denkt ja traditionell genau in diesem Spektrum.

00:08:10: Wie übersetzt sich das denn in Technologie?

00:08:13: Auf unterschiedlichen Ebenen und Arten und Weisen.

00:08:16: Also das eine ist, jede Nutzerin und Nutzer wird darüber informiert erst mal, dass er mit einer KI spricht, und das weiß er schon durch die Nutzungsbedingungen.

00:08:26: Und das ist ja auch eine Sache, die eine rechtliche Anforderung laut dem EU-AI-Act ist.

00:08:30: Das andere ist, dass wir sagen, Transparenz ist wichtig, auch in der Systemarchitektur.

00:08:35: Also wir werden das System nach den DSG-EKD-Richtlinien betreiben, also dem kirchlichen Datenschutzrecht, was an manchen Punkten vielleicht noch ein wenig strenger ist als die Datenschutzgrundverordnung.

00:08:46: Das andere ist, dass wir nicht profitorientiert arbeiten möchten.

00:08:50: Das heißt, wenn irgendwie Gelder entstehen in diesem ELOKI-Projekt, also Überschüsse, dann fließen sie zurück in die Plattform.

00:08:57: Also kein kommerzielles Verwertungsinteresse besteht dahinter.

00:09:01: Ja, und wie zeigt sich diese Werteorientierung im täglichen konkreten Einsatz, zum Beispiel in Mitarbeitenden-Workflows oder Entscheidungsprozessen?

00:09:10: Haben Sie da ein Beispiel?

00:09:12: Ja, beispielsweise, dass wir technische Leitplanken gesetzt haben.

00:09:16: Also wir sagen, es sind keine Hochrisikoanwendungen erlaubt oder in der Plattform dürfen keine Hochrisikoanwendungen stattfinden.

00:09:24: Zweitens vielleicht auch, dass es ein gemeinsames Steuerungsgremium geben wird, in dem darüber entschieden wird, welchen Funktionsumfang, welche Sprachmodelle wir einbinden.

00:09:34: Und als Drittes dann natürlich auch zu überlegen, dass wir die Mitarbeitenden in der Richtung schulen, dass sie auch wissen, wie das System verantwortlich und werteorientiert eingesetzt werden kann.

00:09:45: Ich glaube, das ist der Hauptpunkt an der Sache, dass wir sagen, wir ermöglichen es den Mitarbeitenden, das System auf diese Art und Weise zu nutzen.

00:09:54: Ja, und welche Rolle spielen Datenschutz, also Sie haben es schon erwähnt, Datensouveränität und kirchliche Ethik im Besonderen?

00:10:00: Können Sie das noch mal ausführen?

00:10:02: Datenschutz spielt in dem Sinne eine große Rolle, dass wir sagen, wir prüfen die ganzen Systeme, wir prüfen auch die Unterauftragsverarbeitungen, wir prüfen die Use Cases, in denen Daten verarbeitet werden.

00:10:16: Und da sage ich auch immer wieder: KI ist jetzt gar nichts Neues, was Datenschutz angeht, sondern Datenschutz muss auch schon bereits, wenn wir Paint öffnen, als ein Programm bedacht werden.

00:10:27: Also man kann in jeder Software einen Datenschutzverstoß durchführen.

00:10:32: Und deswegen ist es so wichtig, dass wir sagen, der wichtigste Filter ist nicht irgendwie ein technischer, sondern es ist das geschulte Urteilsvermögen der Menschen.

00:10:41: Ja, und wo sagen Sie holistisch gesehen ganz bewusst: Hier setzen wir Grenzen?

00:10:48: Also ich würde mal sagen, wir setzen zwei ganz klare Grenzen.

00:10:50: Und das eine ist, dass wir sagen: Keine Hochrisikoanwendungen, aber auch keine verbotenen Praktiken laut dem EU AI Act.

00:10:57: Das heißt personalentscheidende Systeme, Bewerberauswahl, Kreditwürdigkeit ist jetzt bei uns nicht so relevant, aber das läuft auf ILUKI nicht.

00:11:08: Nicht weil es verboten wäre, sondern weil wir es bewusst nicht wollen.

00:11:11: KI darf unserer Meinung nach keine Entscheidungen über Menschen treffen, die eigentlich menschliche Verantwortung verlangen.

00:11:19: Zweitens vielleicht: die Seelsorge.

00:11:21: Es gibt Projekte, da wird KI als Trainingsraum für Lernende im Bereich der Seelsorge erprobt mit anonymisierten Fällen.

00:11:28: Also so ein bisschen ein Übungsraum.

00:11:31: Und es gibt auch Projekte, oder man hört auch, dass Menschen gerne mit KI als Seelsorger sprechen.

00:11:39: Studien sagen, das liegt daran, dass keine Scham gegenüber einer Maschine empfunden wird und dass die Maschinen auch ganz gut empathisch wirken können.

00:11:48: Kein Wunder, es sind ja irgendwie auch Maschinen, die die Technik beherrschen, weil sie gelernt haben, eine Gesprächsführung nach einem bestimmten Modus durchzuführen, den Menschen zu imitieren.

00:11:58: Aber erhalte ich dadurch dann echte Empathie, echtes Mitfühlen?

00:12:03: Und deswegen sagen wir: Echte Seelsorgegespräche sind kein KI-Futter, sondern wir wollen die existenzielle Begegnung zwischen zwei Menschen, also ein Kern kirchlicher Arbeit, weiterhin erhalten bleiben lassen.

00:12:16: Wenn wir weiter über Werte reden, dann geht es ja auch automatisch um Verantwortung, die resultiert daraus.

00:12:22: Und damit sind wir bei der Frage: Was kann KI Ihrer Einschätzung nach heute schon leisten und wo sollte sie bewusst zurückgehalten werden?

00:12:31: Was KI heute wirklich schon gut kann, ist ganz viel im Bereich Verwaltung, Kommunikation und Wissensaufbereitung.

00:12:39: Und das sind keine kleinen Dinge, sondern das ist auch ein erheblicher Anteil unseres Arbeitsalltags unserer Mitarbeitenden.

00:12:46: Wenn der Pfarrperson beispielsweise 2 Stunden täglich weniger Bürokratie aufwendet, dann hätte er 2 Stunden mehr, um Dienst am Menschen zu tun.

00:12:54: Und das wäre uns besonders wichtig, also dass wir da solche solche Quick Wins auch finden, wo wir mit nicht viel Aufwand gute Zeiträume hinbekommen für die Menschen.

00:13:06: Und wo sollte sie eher zurückhaltend sein?

00:13:09: Wie schon gesagt, das eine sind diese Hochrisikoanwendungen und dort, wo sie vielleicht in der Begegnung des Menschen dazwischensteht.

00:13:17: Also man könnte jetzt überlegen, ob man auf jeder Gemeindeseite einen Chatbot zur Verfügung stellt, um Fragen zur Kirchengemeinde zu beantworten.

00:13:26: Das ist noch nicht entschieden, ob das sinnvoll ist oder nicht sinnvoll ist, 24/7 einen Chatbot zu haben, dem man alle Fragen stellen kann.

00:13:35: Aber ist es nicht vielleicht auch der Begegnungsort und Begegnungsraum, der uns so wichtig ist als Kirche, zu sagen: Hey, es ist auch mal toll, mit der Gemeindesekretärin oder dem Gemeindesekretär ins Gespräch zu kommen.

00:13:45: Ist es nicht noch ein Punkt, wo man miteinander auch in einen informellen Austausch kommt?

00:13:51: Und der Mensch ist ja nicht nur eine Perfektionsmaschine, die nur bestimmte Daten abruft und von einem Chatbot erhält, sondern es fließt ja noch viel mehr in der zwischenmenschlichen Kommunikation.

00:14:04: Ja, Sie haben jetzt von menschlicher oder zwischenmenschlicher Kommunikation gesprochen.

00:14:07: Ja, wie gehen wir denn damit um, wenn KI-Entscheidungen vorgegeben werden, die eigentlich menschliche Verantwortung brauchen?

00:14:15: Ich glaube, das ist eine der allerwichtigsten Haltungsfragen überhaupt.

00:14:19: Systeme wie ELOKI liefern Entwürfe, Vorschläge, Zusammenfassungen, aber keine Entscheidungen.

00:14:24: Vielleicht Grundlagen, auf denen Entscheidungen getroffen werden können.

00:14:29: Aber auch da gilt: KI kann Fehler machen.

00:14:33: Und KI sollte auch in diesem Umfeld keine Entscheidungsmaschine sein.

00:14:37: Oft sind es ja probabilistische Systeme, also sie arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten und bewusst auch mit dem Faktor Unsicherheit, generiert aus Weltwissen.

00:14:46: Bis wir dann zu tragfähigen Decision Intelligence kommen, wird's wahrscheinlich noch eine Weile dauern, und auch dann kann KI keine Verantwortung übernehmen.

00:14:55: Die Verantwortung bleibt dann immer beim Menschen.

00:14:58: Jetzt haben wir ja über die Vergangenheit, die Gegenwart gesprochen.

00:15:10: Lassen Sie uns mal gemeinsam einen Blick in die Zukunft werfen.

00:15:14: Wir alle wissen und bekommen es ja mit, die KI entwickelt sich rasant.

00:15:18: Wir haben ja auch eingangs gehört, dass es bei vielen Menschen noch Vorbereitung zur adäquaten Nutzung braucht.

00:15:23: Wie verändern KI-Tools wie ELOKI die Kompetenzanforderungen der Mitarbeiter:innen der Kirche und bereiten Sie Ihre Mitarbeitenden darauf vor?

00:15:32: ELOKI ist ein ganz, ganz großer Laborraum.

00:15:36: Die Mitarbeitenden können darin ausprobieren, die können das testen, die können verschiedene Funktionen sich anschauen, die können Wissensdatenbanken anlegen, um zu verstehen, wie künstliche Intelligenz funktioniert und welche Begrenzungen sie auch hat.

00:15:52: Und das erleben wir jetzt beispielsweise schon in ganz vielen Dingen.

00:15:56: Wenn ELOKI beispielsweise genutzt wird, um Bibelverse darzustellen und damit zu arbeiten, da erleben wir, wenn da kein adäquates RAG-System, also Retrieval Augmented Generation System, hintendran steckt, eine Wissensdatenbank in Form einer Bibel, dann beschreibt das Sprachmodell eine Bibelstelle auf seine eigene Art und Weise aus den Trainingsdaten heraus.

00:16:20: Und das ist nicht immer das wortwörtliche Wort.

00:16:24: Und da hören wir gerade, dass das ein interessanter Anknüpfungspunkt ist, um zu schauen, wie bekommen wir gute Daten in diese Systeme und in diese Modelle, um damit zu arbeiten.

00:16:35: Und das ist nur eines der Beispiele.

00:16:39: Und daher haben wir auch parallel dazu Schulungsprogramme laufen.

00:16:43: Wir haben auf jugendarbeit.de und auch in unserem eigenen ELKB-Lernen-E-Learning-Raum Kurse gemeinsam entwickelt mit der Evangelischen Hochschule in Nürnberg, mit Mission Eine Welt, mit Josefstal e.V.

00:16:56: Und natürlich uns aus der Bayerischen Landeskirche, um zusammenzuschauen, was ist denn KI-Kompetenz, die man erwerben muss als Grundlage?

00:17:05: Was sind vielleicht auch rechtliche Rahmenbedingungen?

00:17:08: Und demnächst werden wir auch noch einen Kurs zur Verfügung stellen mit ethischen Perspektiven.

00:17:13: Wunderbar, vielen Dank.

00:17:15: Wenn wir jetzt auf das Jahr 2035 schauen, also knapp auf die nächsten 10 Jahre.

00:17:22: Welche Rolle wird KI in der Kirche dann spielen?

00:17:26: Ich denke, dass 3 Entwicklungen gerade allgemein für die Gesellschaft interessant sind und natürlich für die Kirche dann im Speziellen stattfinden werden.

00:17:35: Verwaltung wird wahrscheinlich bis 2035 weitgehend KI-assistiert sein.

00:17:40: Routineaufgaben laufen automatisiert, Fachpersonen gewinnen dadurch mehr Raum und mehr Zeit für andere Tätigkeiten.

00:17:48: Zweitens, und das habe ich auch schon anklingen lassen, ich denke, dass kirchliche Bildungsarbeit personalisierter nochmal stattfinden wird mit KI-gestützten Kurssystemen, die vielleicht dann auch auf die Lebensfrage der einzelnen Personen adäquat antworten können.

00:18:05: Das heißt nicht, dass wir das jetzt nicht schon könnten, aber tatsächlich nochmal da einen anderen Zugang zu schaffen.

00:18:10: Und das Dritte ist vielleicht, dass die kirchliche Kommunikation nochmal anders zielgruppengerechter stattfinden wird, weil die Zielgruppen nochmal genauer in den Blick genommen werden können durch die KI.

00:18:22: Wir als Kirche benutzen ja oft so eine Sprache, die so ein bisschen churchy ist, und vielleicht auch diese kirchliche Sprache in die Alltagssprache der Menschen zu übersetzen, und da könnte KI so ein guter Weg sein.

00:18:34: Ich erlebe das jetzt schon im Bildungsbereich, wo man dann der KI auch mal sagen kann: Erklär's mir doch mal, als wäre ich ein 6-Jähriger.

00:18:40: Und vielleicht ist das ja auch, das kann man ja heute schon nutzen.

00:18:44: Und wenn das Ganze inhaltlich natürlich auch noch stimmt, ist das natürlich eine super Sache als Einstieg.

00:18:49: Genau.

00:18:50: Also nicht wir haben KI eingesetzt, sondern wir haben KI gestaltet.

00:18:53: Also das wäre mein großer Traum auch, dass wenn wir 2035 die Entwicklungen sehen, dann hat Kirche die KI mitgestaltet, mit eigener Verantwortung für die Menschen, die ihr anvertraut sind.

00:19:06: Ich wünsche mir, dass die Mitarbeitenden kompetent mit dieser neuen Technologie umgehen können, dass sie aber nicht ihre Kompetenz auslagern in die neue Technologie.

00:19:18: Also wenn wir so weit sind, dass KI wunderbare Andachten und Predigten schreiben kann, wunderbare Seelsorgegespräche oder so, dass wir dann immer noch sagen: Ja, es ist toll, dass die Technologie das kann, aber deswegen mache ich kein Deskilling bei mir., sondern ich bleibe trotzdem Herr des Prozesses oder Herrin des Prozesses, sondern Hüterin des Prozesses und kann das immer noch und kann das auch einordnen, was die Maschine dort bringt.

00:19:47: Also es ist mir ganz, ganz wichtig, dass man nicht sagt, man kürzt ab, sondern dass man immer noch lernende Person bleibt in der Welt, obwohl es künstliche Intelligenz gibt.

00:19:59: Ja, vielen Dank, Herr Dr.

00:20:00: Jens Palkowicz-Kühl, für diese Insights.

00:20:03: Und in unserer Kategorie Mutmacher geht es jetzt um die kleinen oder großen Erlebnisse, die Kraft geben, die einen berühren oder einfach Hoffnung machen.

00:20:12: Und uns interessiert, was Sie in letzter Zeit besonders bewegt hat.

00:20:15: Also etwas, das Sie motiviert oder inspiriert hat und das vielleicht auch unseren Hörerinnen und Hörern Mut machen kann.

00:20:22: Was ist Ihr persönlicher Mutmacher?

00:20:30: Mutmacher.

00:20:31: In Bezug auf künstliche Intelligenz und Kirche ist mein persönlicher Mutmacher ein Satz von Ahmad Millat Karimis Buch.

00:20:39: Vielleicht kennen Sie das: „Gott 2.0".

00:20:41: Er ist ein islamischer Theologe, der über KI und Religion nachdenkt.

00:20:45: Und er hat am Ende seines Buches so eine kleine Art Dekalog geschrieben.

00:20:50: Und eine Stelle des Dekalogs heißt: „Liebe deine Fehlbarkeit wie dich selbst." Und das ist für mich eine theologische Befreiung vielleicht auch im KI-Zeitalter, weil KI strebt nach Perfektion, nach Allwissen, Allmacht, Unvergänglichkeit.

00:21:06: Aber Kirche ist vielleicht auch ein Ort, wo Fehlbarkeit nicht Schwäche ist, sondern vielleicht auch Würde, wo Mensch nicht perfekt ist und gerade deswegen auch von Gott geliebt.

00:21:16: Ich kann einfach auch Fehler machen.

00:21:18: Und er schreibt das auch so ein bisschen mit der Theologie der Imperfektibilität, so wie er das nennt.

00:21:25: Also ich darf auch einfach Mensch sein und auch mal scheitern, aber dann auch wieder Mut fassen und vergeben und Vergebung erfahren.

00:21:34: Und ich glaube, das unterscheidet uns ganz stark von dem, was gerade kommt mit diesem: Du musst perfekt sein.

00:21:40: Auch ein bisschen mit der Perspektive des Transhumanismus, mit dem Effizienzgewinn, der Effizienzsteigerung.

00:21:48: Vielen Dank für die Offenheit.

00:21:50: Und das nimmt auf jeden Fall den Druck eines jeden Einzelnen, ja, perfekt sein zu müssen.

00:21:57: Ja, wir haben heute gehört, wie KI verantwortungsvoll gestaltet, natürlich kirchliche Arbeit entlasten, professionalisieren und stärken kann, dass sie aber genauso klare Grenzen braucht.

00:22:10: Elogi zeigt, dass kirchliche Digitalisierung nicht nur nutzt, sondern bewusst mitgestaltet.

00:22:16: Ja, vielen Dank, Dr.

00:22:17: Palković-Kühn, für die Einblicke, die Klarheit und den Blick nach vorn.

00:22:21: Natürlich auch für Ihre wertvolle Zeit.

00:22:23: Ganz herzlichen Dank auch für die wunderbare Moderation, für die Einladung und dass ich hier so offen über dieses Projekt sprechen durfte.

00:22:31: Weiter geht es dann hier in 2 Wochen.

00:22:35: Seid gespannt und bis zum nächsten Mal.

00:22:40: Schön, dass ihr dabei wart.

00:22:41: Abonniert uns für weitere ermutigende Inhalte zur nachhaltigen Transformation in Kirche, Gesundheits- und Sozialwirtschaft.

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