Zwischen Leitplanke und Aufbruch – Wie Digitalisierung im diakonischen Bereich gelingt

Shownotes

Digitalisierung entscheidet heute über die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. In dieser Folge von Ermutigende Blickwinkel sprechen wir mit Rolf Baumann, Geschäftsführer Ökonomie des Verbands diakonischer Dienstgeber in Deutschland e. V. (VdDD), über die digitale Transformation in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft.

Warum liegt Deutschland im internationalen Vergleich zurück? Welche Rolle spielen Politik, Finanzierung und Standards? Und wie kann Digitalisierung dazu beitragen, Versorgungssicherheit und gesellschaftliche Teilhabe auch im demografischen Wandel zu sichern? Anhand konkreter Beispiele zeigt Rolf Baumann, warum Digitalisierung kein reines IT-Thema ist, sondern eine strategische Zukunftsfrage für Organisationen, Politik und Gesellschaft.

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00:00:08: Ermutigende Blickwinkel.

00:00:10: Der Podcast zur nachhaltigen Transformation.

00:00:16: Vielleicht haben Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Transformationskraft der Digitalisierung lange unterschätzt?

00:00:24: Man dachte eher das ist ein Add-on, nice to have!

00:00:28: Und dann haben uns andere überholt.

00:00:31: Ja, die gute Nachricht ist ja wir können jeden Tag neu anfangen.

00:00:37: Wenn wir einen starken Impuls setzen, Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft gemeinsam dann können wir diesen Rückstand auch aufholen.

00:00:55: Herzlich willkommen zur dritten Folge unserer aktuellen Staffel zum Thema Digitalisierung!

00:01:01: Ja, Digitalisierung ist schon lange kein Zukunftsthema mehr denn sie entscheidet heute darüber wie innovativ wettbewerbsfähig und widerstandsfähig Gesellschaften- und Wirtschaftsstandorte sind.

00:01:14: Doch wie gestaltet Politik die Rahmenbedingungen dafür?

00:01:17: Und wie gelingt es technologische Innovationen so einzusetzen, dass sie nicht nur Effizienz schaffen sondern echte Teilhabe ermöglichen.

00:01:27: In dieser Folge sprechen wir mit dem Geschäftsführer Ökonomie des Verbands diakronischer Dienstgeber in Deutschland EV Rolf Baumann.

00:01:35: Wir möchten verstehen, welche Rahmenbedingungen und ordnungspolitischen Maßnahmen notwendig sind um digitale Innovationen systemisch zu fördern.

00:01:44: Und Digitalisierung gerade in jener Branche zu stärken die zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beiträgt.

00:01:50: Herzlich willkommen Herr Baumann!

00:01:52: Guten Tag Herr Bagel.

00:01:55: Schön dass Sie bei uns sind.

00:01:57: Ja wir starten jetzt mit unserer Rubrik schnell und ehrlich und das heißt wir lernen es jetzt ein bisschen näher kennen Laufen uns warm.

00:02:06: sind sie bereit.

00:02:08: Sehr gerne!

00:02:09: Super!

00:02:15: Schnell und ehrlich.

00:02:17: Frühstarten oder spät produktiv?

00:02:20: Beides wenn es sein muss.

00:02:23: Beides, wenn's sein müssen, sind sehr optimal aufgestellt.

00:02:25: Das kann ich leider nicht von mir behaupten.

00:02:29: Analogen Notizen oder komplett digital organisiert?

00:02:33: Irgendwo dazwischen

00:02:35: Ja sozusagen das Beste aus beiden Welten.

00:02:37: Genau

00:02:38: Sehr schön.

00:02:39: Innovationstreiber, Staat oder Wirtschaft?

00:02:44: Wirtschaft!

00:02:45: Das ist eindeutig – erhellen Sie uns warum?

00:02:48: Staatliche Prozesse sind oft sehr langsam und das bedeutet der Staat ist meistens erst Follower wenn die Technik schon sichtbar ist oder sich schon durchgesetzt hat.

00:03:05: Vielen Dank für Ihre Offenheit und ihre schnellen Antworten.

00:03:09: Dann lassen Sie uns mal direkt einsteigen und darüber sprechen, warum Digitalisierung über Zukunftschancen entscheidet.

00:03:17: Viele Menschen empfinden Digitalisierung in Deutschland gerade als wirklich zu langsam.

00:03:23: Woran liegt das aus Ihrer Sicht wirklich?

00:03:25: Und was muss sich da ändern?

00:03:27: Die Soziologie hat sich bereits intensiv mit dieser Frage beschäftigt und herausgefunden dass Digitalisierung oft an kulturellen und strukturellen Mustern scheitert.

00:03:41: Der Soziologe Armin Nasehi sagt beispielsweise, Gesellschaften bringen die Technologien hervor, die zu ihrer eigenen Logik passen.

00:03:52: Drei Aspekte sind dabei aus meiner Sicht besonders relevant.

00:03:56: erstens unser Hang in Deutschland zur Perfektion.

00:04:01: Wir denken Dinge gar nicht zu Ende gründlich, sauber und rechtssicher.

00:04:06: Das ist in vielen Bereichen erfolgreich aber bei Technologien die sich im Monatsrhythmus weiterentwickeln wird es wie eine eingebaute Innovationsbremse.

00:04:17: Zweitens Macht ist in Deutschland aus guten Gründen sehr dezentral verteilt Bundländer Kommunen Sozialpartner, Selbstverwaltung in der Sozialversicherung.

00:04:31: Diese Machtarchitektur ist demokratisch sehr wichtig und hat auch viele Fehlentwicklungen verhindert.

00:04:38: Entscheidungen sind sehr langwierig.

00:04:42: Niemand kann einfach durchregieren.

00:04:45: Veränderung ist bei uns immer Verhandlung und damit langsamer.

00:04:49: Und drittens Vielleicht haben Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Transformationskraft der Digitalisierung lange unterschätzt.

00:04:58: Man dachte eher das ist ein Add-on, nice to have!

00:05:02: Und dann haben uns andere überholt.

00:05:05: Ja, die gute Nachricht ist ja wir können jeden Tag neu anfangen und wenn wir einen starken Impuls setzen – Politik, dann können wir diesen Rückstand auch aufholen.

00:05:22: Vielen Dank für diesen positiven Schluss Ihrer ersten Einschätzung!

00:05:27: Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich, im Bereich der Gesundheits- und Sozialwirtschaft?

00:05:32: Und vor allen Dingen was brauchen wir um aufzuholen oder voraus zu gehen?

00:05:36: Was meinen Sie?

00:05:37: Die Vergleiche die uns vorliegen sind eher ernüchternd.

00:05:41: Es gibt eine Reihe von Indikatoren, die darauf hinweisen dass andere Länder weiter sind.

00:05:49: Bertelsmann-Stiftung ermittelt den sogenannten Digital Health Index.

00:05:55: Dort landet Deutschland auf dem vorletzten Platz, an der Spitze sind beispielsweise Estland, Dänemark, Kanada oder Israel.

00:06:05: und die Indikatoren sind wie wird die elektronische Patientenakte genutzt?

00:06:10: Wie viele telemedizinische Konsultationen gibt es?

00:06:15: Wie ist der Zugriff auf die eigenen Daten?

00:06:18: Und da ist vieles im Deutschland eben noch im Rollout.

00:06:22: Dann eine zweite Zahl, die Hochschule Osnabrück hat im Auftrag der deutschen Krankenhausgesellschaft die IT-Ausgaben der Krankenhäuser verglichen und Krankenhäusern in Deutschland geben etwa drei Prozent ihres Gesamtbudgets für IT aus während Krankenh Häuser in Dänemark fünf Komma zwei Prozent.

00:06:46: Und wenn man dann noch einbezieht, dass die Fallbudgets in Dänemark höher sind.

00:06:50: Dann reden wir um mehr als den Faktor zwei.

00:06:54: Das bedeutet in der Konsequenz Wenn wir aufholen wollen, dann reicht eine Optimierung im bestehenden System nicht aus.

00:07:03: innerhalb des heutigen Rahmens und Budgets ist das nicht zu schaffen.

00:07:08: was wir brauchen ist einen ich nenne es mal nationalen Strategieplan für die Digitalisierung der langfristige Perspektivenaufzeig, der zusätzliche Maßnahmen vorsieht und auch eine zusätzliche Finanzierung vorzieht.

00:07:25: Ja das heißt einfach so weitermachen und auf bestehende Systeme aufbauen ist definitiv keine nachhaltige Lösung?

00:07:32: Ja ich kann es auch an einem Beispiel erläutern was andere Länder besser machen.

00:07:37: Gerne!

00:07:38: In Israel gibt es beispielsweise das Netzwerk Ipad Halaf Das heißt übersetzt Tropfenmilch.

00:07:46: Kinder werden von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr nahezu flächendeckend digital begleitet, das bedeutet Eltern.

00:07:56: Einrichtungen erfassen Daten wie Wachstum, Entwicklungsschritte, Impfungen die Ergebnisse von Vorsorgeuntersuchungen usw.

00:08:06: All das fließt in die elektronische Gesundheitsakte ein und diese Daten stehen anonymisiert reguliert natürlich für die Forschung und Prävention zur Verfügung.

00:08:19: Und damit verfügt Israel über einen nahezu flächendeckenden Datensatz zur kindlichen Entwicklung, und Forscher konnten daraus schon innovative Modelle entwickeln beispielsweise um Entwicklungsstörungen zu erkennen oder Übergewicht zu verhindern.

00:08:38: Und das ist ein gutes Beispiel, wie Digitalisierung hilft die Gesundheit von kleinen Kindern in diesem Fall zu verbessern.

00:08:48: Ja vielen Dank für das konkrete Beispiel an der Stelle!

00:08:51: Wenn wir uns jetzt Digitalisierung als gesamtstrategischen Faktor betrachten wird deutlich besonders dort wo Menschen direkt profitieren können hat sie eine große Hebelwirkung.

00:09:01: deshalb lohnt sich einen genauer Blick auf den Gesundheits- und Sozialsektor.

00:09:06: Warum ist digitale Transformation ein entscheidender Zukunftsfaktor?

00:09:10: Vielleicht auch gerade im Gesundheits- und Sozialsektor, Herr Baumann.

00:09:14: Positiv ist es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt dass Digitalisierung ein unversichtbarer Lösungsbaustein ist.

00:09:23: man kann auch kurz sagen ohne Digitalisierung wird die Daseinsvorsorge künftig nicht mehr funktionieren.

00:09:31: wir sind in der demografischen Zange, das heißt eine wachsende Zahl an Menschen benötigt Unterstützung.

00:09:39: Und gleichzeitig haben wir weniger Arbeitskräfte und das bedeutet in der Konsequenz Wir müssen mit den vorhandenen Arbeitskräften mehr Wirkung erzielen.

00:09:51: Wir müssen mehr Menschen versorgen betriebswirtschaftlich gesprochen.

00:09:56: Wir wissen die Produktivität der Systeme erhöhen Und das geht nur mit Digitalisierung.

00:10:07: Ein zentraler Bezugspunkt ist das Subsidiaritätsprinzip.

00:10:13: Es besagt, dass nicht der Staat allein sondern insbesondere frei gemeinnützige Träger Verantwortung übernehmen sollen.

00:10:23: Sie betreiben beispielsweise Krankenhäuser, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung oder Kitas.

00:10:31: Dieser sogenannte dritte Sektor operiert quasi zwischen Staat und Markt, die Diakonie ist zentraler Bestandteil des dritten Sektors.

00:10:44: Warum sind diese Subsidiaritäten nun so wichtig?

00:10:47: Sie sichert Trägervielfalt, sie sichert Wahlmöglichkeiten und einen Qualitätswettbewerb.

00:10:54: Sie ist auch Ausdruck des Demokratieprinzips Und wir glauben, dass der dritte Sektor bessere Ergebnisse hervorbringt als ein rein staatliches oder ein rein privatisiertes Gesundheits- und Sozialsystem.

00:11:10: Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings die Rahmenbedingungen müssen passen.

00:11:15: Die Träger brauchen Handlungsgestaltungsspielräume beispielsweise in der Personalwirtschaft oder auch bei der Digitalisierung und sie brauchen hinreichende Ressourcen.

00:11:27: Und in den aktuellen Sozialreformen setzen wir uns dafür ein, dass diese Subsidiaritätsprinzip weiterhin gewahrt bleibt – das beispielsweise Regulierung Bürokratie nicht immer weiter anwachsen.

00:11:43: und dafür engagieren wir uns in verschiedenen Verbünden gemeinsam mit anderen Verbänden der Diakonie oder auch im Verbändebündnis Digitalisierung in der Pflege.

00:11:57: Ja, das steht auf jeden Fall für ein sehr komplexes System und ja großen Herausforderungen vor denen sie stehen.

00:12:03: Apropos Herausforderung – wo erleben Sie denn derzeit die größten Herausforderungen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft im Bereich Digitalisierung?

00:12:11: Insbesondere was die durch den Staat gestalteten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angeht!

00:12:15: Und wie lösen wir Sie?

00:12:17: vor allen

00:12:17: Dingen?!

00:12:19: Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Digitalisierung ein unverzichtbarer Lösungsbaustein ist.

00:12:27: Aber trotzdem bleibt ein Hauptproblem das es eine Finanzierungslücke.

00:12:34: Die Einrichtungen wollen digitaler werden aber Investitionen Betriebskosten Schulungen IT-Sicherheit IT Personal sind nicht ausreichend finanziert.

00:12:47: Es gibt zwar Förderprogramme, aber sie ersetzen keine Regelfinanzierung.

00:12:53: Das Bundesgesundheitsministerium hat beispielsweise vor Kurzem seine Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege aktualisiert.

00:13:05: Da steht viel richtiges drin, aber die Finanzierungsfrage ist weitgehend ausgeblendet.

00:13:12: D.h.,

00:13:12: wir sind gut im Formulieren von Zielen aber deutlich weniger gut im Hinterlegen mit Ressourcen.

00:13:20: Dann gibt es noch ein zweites Problem, das sind fehlende Standards.

00:13:26: Es gibt zum Beispiel bis heute keine Beschreibung welche digitale Grundausstattung eigentlich jede Pflegeeinrichtung haben sollte.

00:13:36: Was ist beispielsweise Masthef und was ist Nice to have?

00:13:41: Oder es ist unklar Welches Maß an digitaler Teilhabe ist beispielsweise für Menschen mit Behinderung angemessen?

00:13:50: Es gibt punktuell Vorgaben, beispielsweise im Krankenhaus Zukunftsgesetz oder der Fahrplan der Telematikinfrastruktur.

00:13:58: Aber das sind in der Regel immer nur Mindeststandards und deswegen brauchen wir vor allem Standards zur digitalen Ausstattung die für alle verbindlich sind müssen dann auch entsprechend refinanziert worden.

00:14:14: Vielleicht wurde eine zweckgebundene Digitalisierungspauschale pro Platz, pro Tag helfen?

00:14:22: Ja das klingt doch schon mal nach einem konkreten Ansatz wie man an der Stelle weiter kommt!

00:14:27: Was bedeutet Digitalisierung für Versorgungssicherheit demografischen Wandel und Daseinsvorsorge Herr Baumann?

00:14:34: Kurz gesagt ohne Digitalisierung wird die Daseinvorsorge künftig nicht mehr funktionieren.

00:14:41: Ich hatte schon darauf hingewiesen, wir sind in der demografischen Zange.

00:14:46: Wir haben eine wachsende Zahl an Menschen die Unterstützung benötigen und gleichzeitig weniger Arbeitskräfte.

00:14:55: Und insofern ist Digitalisierung ein wichtiger Baustein, der helfen kann, die Produktivität der Versorgungssysteme zu steigern Sprich, dass es uns gelingt mit den vorhandenen Arbeitskräften mehr Menschen zu versorgen oder mehr Wirkung für diese Menschen zu erzielen.

00:15:15: Was dabei besonders wichtig ist wird offen den ländlichen Raum nicht vergessen.

00:15:20: wir müssen dort die Versorgung sozusagen remote sicherstellen und wir dürfen keine zwei Klassenversorgungen riskieren denn es wird weiterhin Menschen geben die über geringere digitale Kompetenz verfügen oder keinen Zugang haben.

00:15:39: Und deswegen brauchen wir auch digitale Teilhabe, Barrierefreiheit, Schulung und

00:15:45: Begleitung.".

00:15:46: Ja, oft wird der Gegensatz vor allen Dingen beim Einsatz von Robotik zum Beispiel zwischen kalten Maschineinsatz- und menschlicher Zuwendung diskutiert.

00:15:56: Wie schätzen Sie das ein?

00:15:57: Schließt das eine des anderen aus?

00:16:00: Diesen viel zitierten Gegensatz zwischen Technik und Menschlichkeit erlebe ich in der Praxis sogar nicht.

00:16:08: Es sind ja nicht alle Menschen extrovertiert und wollen sich ständig unterhalten, für viele Menschen ist auch der Rückzug wichtig übrigens auch für Mitarbeitende.

00:16:20: sie wollen mal die Tür schließen sich auf ihre Arbeit konzentrieren ohne ständig sich mit jemandem zu unterhalten.

00:16:28: Was auch wichtig ist, Selbstbetätigung ist eine wichtige Dimension des menschlichen Lebens.

00:16:35: Ein paar Beispiele dazu... Gerne!

00:16:38: Menschen arbeiten im Garten und finden Erfüllung darin, sprechen mit den Blumen oder andere zieht es in die Waldstadt.

00:16:47: sie schrauben an Autos oder Motorrädern und freuen sich dann am Ergebnis.

00:16:54: Oder Musiker Wenn Sie Musik machen, verschmelzen sie formlich mit Ihrem Instrument und leben darin auf.

00:17:02: Und niemand käme auf die Idee diese Selbstbetätigung als unmenschlich zu bezeichnen.

00:17:09: Wenn allerdings Pflegeheimbewohnende sich eine halbe Stunde mit einem sozialen Roboter unterhalten dann taucht sofort die Frage auf ja ist das unmenschliche?

00:17:20: wird hier Zuwendung durch Technik ersetzt?

00:17:24: Sicherlich Technologie ersetzt keine Zuwendung, aber sie eröffnet in jedem Fall Freiräume.

00:17:31: Zum Beispiel wenn Sie die Selbstständigkeit erhöht und sie schafft eben auch Freirräume für diese Selbstbetätigung.

00:17:38: Also insofern ist aus meiner Sicht die eigentliche Frage nicht Mensch oder Maschine sondern wann ist der Mensch gefragt?

00:17:47: Und wann ist die Maschine gefragt?

00:17:49: Wie setzen wir die Technologie so ein dass sie die menschliche Arbeit besser macht und gleichzeitig diese Freiräume eröffnet.

00:17:59: Und darin liegt eine große Chance, dass uns die Technik eben diese Freiraume eröffnet.

00:18:05: Deswegen sehe ich Digitalisierung und Menschlichkeit überhaupt nicht als

00:18:09: Gegensatz.".

00:18:11: Ja auch an der Stelle ist ein eindeutiges schwarz-weiß Denken fehl am Platz sondern eine kluge Verzahnung dieser Möglichkeiten bringt uns da weiter.

00:18:25: Ja, um diese Herausforderung von den wir gesprochen haben meistern zu können braucht es innovative Unternehmen und Start-ups die passende Lösungen entwickeln.

00:18:35: Schauen wir deshalb auf die wirtschaftliche und unternehmerische Seite.

00:18:39: Welche konkreten Programme oder Förderansätze gibt es?

00:18:42: Um Unternehmen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft digital voranzubringen?

00:18:46: Herr Baumann

00:18:47: Es gibt einige Programme aber sie sind fragmentiert.

00:18:53: Ein paar Beispiele, das schon erwähnte Krankenhaus Zukunftsgesetz.

00:19:00: Das ist zu einem großen Teil abgearbeitet und hat den Krankenhäusern geholfen erstmals in bestimmte Techniken zu investieren.

00:19:10: oder es gibt den Fahrplan zur Telematikinfrastruktur eben dann mit begleitender Finanzierung beispielsweise der einzelnen Komponenten.

00:19:23: Es gibt im Sozialgesetzbuch einen Digitalisierungszuschuss je Pflegeeinrichtung von zwölf tausend Euro.

00:19:33: Im Bereich der Eingliederungshilfe fördert die Aktion Menschprojekte unter der Überschrift Digitale Teilhabe vor allem bis fünfzehntausend euro, ja und dann gibt es auch die branchenunabhängige Mittelstandsförderung verschiedene Programme für kleine und mittlere Unternehmen.

00:19:54: Das ist immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn Projekte enden irgendwann – und die Frage ist was passiert danach?

00:20:04: Und kurz gesagt viele Leuchttorme, die in Förderprojekten errichtet und entzündet worden sind, sind schon lange wiedererlöschen!

00:20:14: Was haben Sie da konkret an Lösungsansätzen im Kopf, um genau eine Nachhaltigkeit zu erzeugen?

00:20:21: Förderprojekte können ein Anstoß sein.

00:20:24: Sie sind wichtig aber eine Regelfinanzierung ersetzen sie nicht und eine RegelFinanzierung bewirkt auf Dauer mehr.

00:20:34: Insofern würde ich empfehlen Förderprogramme nicht abzuschaffen Aber sie müssen unbedingt zwingend durch die Regelfinanzierung ergänzt werden

00:20:45: Ja und dadurch auch definitiv verzahnt werden.

00:20:48: Die größten Hürden sind nicht nur Geld oder fehlende Ideen, wir haben auch gerade drüber gesprochen sondern die überbordende Bürokratie.

00:20:56: Wie sehen Sie das?

00:20:58: Ja Bürokrate ist ein Faktor in Deutschland Ein Hemmenderfaktor Und sie widerspricht wenn sie überzeugt ist auch dem schon erwähnten subsidiaritätsprinzip.

00:21:12: Wenn ich keine Handlungsspielräume Aber wenn alles H-Klein vorgegeben ist, dann kann ich als Sozialunternehmen auch nicht innovativ sein.

00:21:22: Also insofern Bürokratie ist notwendig?

00:21:25: keine Frage aber sie darf ein gesundes Maß nicht überschreiten.

00:21:31: Wo die Grenze verläuft da scheiden sich naturgemäß die Geister.

00:21:36: Das stimmt!

00:21:37: Schauen wir uns die Kooperation zwischen Bund, Land und Verbänden an.

00:21:43: Welche Rolle spielen Sie da jeweils?

00:21:46: Wichtig ist, dass die einzelnen Akteure ihre Rollen wahrnehmen.

00:21:53: Bund-Länder beispielsweise sind für die Rahmenbedingungen zuständig – die müssen klar sein!

00:22:00: Die Kosten und Leistungsträger sind für Regelfinanzierung zuständig, die muss gegeben sein.

00:22:07: Wir brauchen auch die Wissenschaft zur Erarbeitung von Grundlagen Und wir brauchen die Verbände, die Praxiswissen und Anforderungen bündeln.

00:22:18: Und natürlich die Einrichtungen kennen ja den Alltag und die Anforderung, die sich daraus ergeben.

00:22:26: Diese Akteure müssen einerseits ihre Rollen wahrnehmen und sie müssen gleichzeitig zusammenarbeiten.

00:22:34: Das steckt auch hinter dieser Idee des nationalen Strategieplans.

00:22:39: Die Akteüre setzen sich an einen Tisch Sie einigen sich auf gemeinsame Standards, die gelten sollen.

00:22:46: Sie erarbeiten gemeinsame Maßnahmen wie man dahin kommt und anschließend ist das Ganze verbindlich für alle.

00:22:55: Ja!

00:22:55: Und wie können an der Stelle diakronische und karikative Einrichtungen besser in Innovationsstrategien eingebunden werden?

00:23:03: Es gibt positive Beispiele für Kooperation.

00:23:08: In vier Bundesländern existieren mittlerweile Landeskompetenzzentren für die Digitalisierung der Pflege.

00:23:16: Und sie bringen die Akteure ins Gespräch und daraus entwickeln sich auch gemeinsame Projekte, und solche gemeinsamen Arbeitsplattformen brauchen wir noch in größerem Maße.

00:23:30: Haben Sie noch weitere Best Practices oder Erfolgsbeispiele, die Sie da besonders motivieren?

00:23:35: Die besten Lösungen sind immer die, die in der Praxis wirklich funktionieren und bei den beteiligten Akzeptanz finden.

00:23:43: Erhellend ist ja immer wenn man in Einrichtungen geht oder mit Mitarbeitenden ins Gespräch geht.

00:23:50: das spürt man ziemlich schnell was funktioniert und was eher noch im Pilotstadium ist.

00:23:59: Ich erlebe die höchste Akzeptanz beispielsweise bei der KI-gestützten Sprachakennung in der Dokumentation im Berichtswesen, bei der digital unterstützenden Dienstplanung oder bei der Telemedizin im häuslichen Umfeld.

00:24:17: Auch Apps für die Kommunikation mit Angehörigen funktioniert ganz gut und diesen Lösungen ist gemeinsam.

00:24:26: sie starten immer beim Problem und nicht bei der Technologie.

00:24:31: Also Technik findet dann Akzeptanz, wenn sie Probleme löst und es im Alltag funktioniert.

00:24:38: Das heißt am Ende zählt nicht ob etwas digital ist sondern ob es von den Mitarbeitenden oder auch den Kundinnen und Kunden wirklich allzielfrei erlebt wird.

00:25:00: Wir haben jetzt viel über ja die Frangenheit aber auch die Gegenwart gesprochen.

00:25:04: Schauen wir mal zusammen in die Zukunft.

00:25:06: Herr Baumann Was sind aus Ihrer Sicht die drei wirkungsvollsten Schritte, die Deutschland jetzt gehen muss, damit diakronische Dienstgeber Digitalisierung bestmöglich für sich nutzen können?

00:25:18: Das Erste ist eine Regelfinanzierung für Digitalisierung.

00:25:24: Sie muss Investitionen, Betrieb IT-Personal, IT-Sicherheit umfassen – das ist mit Abstand der größte Hebel!

00:25:35: angesprochene nationale Strategieplan für die Digitalisierung des Gesundheits- und Sozialwesens mit Zielen, Standards-, Maßnahmen- und Verbindlichkeit – für Bundländer, Kommunen, Leistungsträger und Leistungsabbringer.

00:25:53: Und ein dritter Punkt ist auch die Interoperabilität.

00:25:58: Das heißt mehr Standards und Verbindung bei den Schnittstellen zwischen den

00:26:03: Systemen.".

00:26:04: Die einzelnen Anbieter sind nicht immer bereit, ihre Systeme zu öffnen.

00:26:11: Diese Offenheit ist aber eine wichtige Voraussetzung damit Technologien sich auch manchmal anbieternunabhängig durchsetzen können.

00:26:22: Ich bin überzeugt wenn die Rahmenbedingungen klar sind und die Regelfinanzierung gegeben es dann wird die Digitalisierung einen Schuh erhalten.

00:26:33: Wo wünschen Sie sich an der Stelle mehr Mut?

00:26:35: in Politikverwaltung oder den Organisation selbst?

00:26:40: Überall ein bisschen, aber jeweils anders.

00:26:44: Von der Politik wünsche ich mir dass sie Prozesse über die federalen Ebenen hinweg organisiert und auch durchhält und entsprechende Kompromisse schmiedet sodass wir von der Rhetorik zur Umsetzung kommen.

00:27:02: Von den Kosten- und Leistungsträgern würde ich mir wünschen, dass Sie Ihre Ermessenspielräume nutzen die es ja in allen Richtlinien und Gesetzbühren auch gibt.

00:27:14: Und von den Organisationen der Sozialwirtschaft wurde ich mir wünschen wenn sie es nicht schon tun das sie Digitalisierung strategisch priorisieren und führen.

00:27:28: Digitalisierung ist kein IT-Thema, sondern eine Zukunftsfrage der Organisation und muss dementsprechend priorisiert worden und auch strategisch hoch aufgehängt werden.

00:27:40: Ist das auch eine kluge Strategie wie Innovation schneller in den Regelbetrieb kommen würden?

00:27:46: Ja, Innovation erschließen und transferieren muss Teil des Regelbetriebs.

00:27:54: Industrie verfügt ja ganz selbstverständlich über Abteilungen für Forschung und Entwicklung.

00:28:01: Die Gesundheits- und Sozialbranche dagegen bisher nicht, die Leistungsentgelte enthalten in der Regel keine Budgets für Forschum und Entwicklung Und wir müssen dahin kommen dass Forschung & Entwicklung tatsächlich auch zu jeder sozialen Organisation in einem bestimmten Maße mit dazu gehört.

00:28:24: Ja, eine zweite Sache wäre vielleicht bei Piloten von Anfang an immer den Regelbetrieb mitdenken.

00:28:33: Also die Frage wer betreibt später?

00:28:36: Wer finanziert den Betriebsspäder?

00:28:38: Wer schulte Mitarbeitenden?

00:28:40: Die Klientinnen?

00:28:42: welche Schnittstellen sind notwendig?

00:28:45: denn es macht keinen Sinn einen Piloten zu starten wenn es keine Aussicht auf dem Transfer in den Regelbedrieb gibt.

00:28:54: Ja und was sicherlich auch helfen würde, wenn verstärkt Kooperationen gesucht worden würden.

00:29:01: Nicht jede Einrichtung muss alle selbst machen.

00:29:04: man kann Projekte gemeinsam auflegen gemeinsame Plattformen schaffen und auch gemeinsame Service-Zentren aufbauen.

00:29:13: Vielen Dank Herr Baumann schon einmal für ihre ja holistische Sicht der Dinge und auch Ihre konkreten Lösungsvorschläge.

00:29:21: Kommen wir zu unserer Rubrik Mutmacher.

00:29:25: Bei Mutmachern geht es darum, unsere Zuhörenden zu inspirieren, zu motivieren oder gar auch Mut zuzusprechen.

00:29:34: Starten wir mit dem Mutmache!

00:29:44: Herr Baumann was hat sie insbesondere in der letzten Zeit inspiriert?

00:29:49: Was möchten Sie mit unseren Zuhöhrenden teilen?

00:29:52: Mich faszinieren und berühren immer die großen Bilder der Bibel.

00:29:59: Sie zeigen Perspektiven auf, eröffnen einen Hoffnungshorizont, der über unsere eigenen Möglichkeiten hinausgeht.

00:30:09: Beispielsweise die diesjährige Jahreslosung ziehe ich mache alles neu aus der Offenbarung des Johannes.

00:30:19: Ziehe Ich Mache Alles Neu.

00:30:21: das heißt da geht es nicht um eine kleine Optimierung, sondern da geht es um etwas grundlegend Neues.

00:30:28: Oder im gleichen Kapitel gibt es das Bild vom neuen Himmel der neuen Erde Das Bild des Wegs in der Wüste und die Wasserströme, die in der Einöde fließen.

00:30:42: Das ist ein starker Drost für alle, die irgendwo feststecken und am Status quo leiden.

00:30:49: oder die Bilder in den Psalmen Baum gepflanzt an den Wasserbechen.

00:30:55: Ein Hoffnungsbild für Verwurzelung und Resilienz, ja ich würde Mut machen sich mit diesen Bildern zu beschäftigen.

00:31:06: Gleichzeitig lese ich gerade ein Buch zum Thema KI von dem Philosophen Markus Gabriel.

00:31:22: KI ist extrem gut darin, Muster zu erkennen.

00:31:26: Auch in unserem Verhalten und auch in unseren Emotionen Und wir könnten diese Fähigkeit der KI nutzen damit sie uns ein Spiegel ist nicht nur in technischer Hinsicht sondern eben auch in ethischer Hintsicht.

00:31:43: Sie könnte uns reflektieren vor dem Hintergrund unserer Werte.

00:31:48: Und wenn ich jetzt beides zusammennehme, die großen Hoffnungsbilder der Bibel und die Werkzeuge, die wir haben zum Beispiel die KI dann kann daraus ein großer Verhänderungsmoment entstehen.

00:32:05: Vielen Dank Herr Baumann für die inspirierenden Bilder unter auch Ihr Buchbeispiel welche unsere Zuhörenden bestimmt viele positive Impulse mit auf den Weg geben wird.

00:32:14: Es wird deutlich Digitalisierung ist weit mehr als Infrastruktur oder Technik.

00:32:20: Sie ist Grundvoraussetzung für Zukunftsfähigkeit, Versorgungssicherheit und innovative Lösungen in allen Bereichen unserer Gesellschaft.

00:32:30: Und vielen Dank auch an Sieher Baumann für Ihre wertvolle Zeit!

00:32:33: Ja, vielen Dank für die Einladung!

00:32:38: Weiter geht es dann hier in zwei Wochen – seid gespannt und bis zum nächsten Mal!

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